mit freundlicher Genehmigung des Königsfurt-Urania-Verlags
mit freundlicher Genehmigung des Königsfurt-Urania-Verlags

Buchrezension von Helga Eichner

erschienen in "TAROT HEUTE" Nr. 37/2013

 

Mediales Kartenlegen

von Regula E. Fiechter

 

In diesem Sommer überraschte mich Johannes Fiebig vom Königsfurt-Urania-Verlag mit der Frage, ob ich Zeit und Lust hätte, das neue Buch von Regula Elizabeth Fiechter zu lektorieren. Ein wunderbares Angebot, das ich ohne Zögern sofort annahm! Schon während der ersten Korrektur hatte mich das Buch absolut in seinen Bann gezogen. Ende Oktober 2012 wurde es herausgebracht, und ich freue mich, dass ich einen kleinen Teil zur Entstehung beitragen durfte.

 

Das Buch „Mediales Kartenlegen“ befasst sich hauptsächlich mit den Mystischen Lenormandkarten, die die Autorin in Zusammenarbeit mit dem Künstler Urban Trösch – beide in der Schweiz ansässig – schuf. Im Gegensatz zu Ihrem ersten Buch „Mystisches Lenormand“, das bereits 2004 veröffentlicht wurde und vor allem sehr ausführlich die Kombinationsmöglichkeiten der einzelnen Karten untereinander behandelt, legt Frau Fiechter in diesem Buch den Schwerpunkt auf den medialen Aspekt des Kartenlegens. Dafür hat sie vier mediale Zusatzkarten entwickelt, die hier erstmals vorgestellt werden: die Karten der Ahnen (Nr. 37), der Geistführer (Nr. 38), der Krafttiere (Nr. 39) und der Engel (Nr. 40). Damit wurde eine Möglichkeit geschaffen, bei entsprechenden Fragestellungen zusätzliche Aussagen treffen zu können über die Hilfe aus der geistigen Welt und über deren Kommunikationsformen.

 

Zum Einstieg beschreibt Regula E. Fiechter ihre Sichtweise der Zusammenarbeit zwischen der geistigen Welt auf der einen Seite und Ratsuchenden sowie Beratenden auf der anderen Seite. Betrachten wir die Motive der Mystischen Lenormandkarten, dann ist allen Karten gemeinsam, dass sie dem Blick aus einem Fenster gleichen – vielen Fenstern in eine andere Welt! Dieser Vergleich zieht sich durch das ganze Buch, indem immer wieder darauf hingewiesen wird, dass neben unserer materiellen Welt noch eine Welt besteht, der wir uns auf medialem Weg nähern können. Dabei ist es unerheblich, ob wir je nach Begabung in diese andere Welt hineinsehen, -hören, ‑fühlen, -schmecken oder -riechen können. Wichtig ist allein, dass wir lernen, die Karten als „ein Hilfsmittel zur Kommunikation mit der geistigen Welt“ zu betrachten, und uns vertrauensvoll auf diesen Prozess einlassen. Dabei unterscheidet die Autorin zwischen handwerklichem Können und der Medialität, die erst gemeinsam eine gute Kartenlegerin ausmachen, und gibt deshalb im Kapitel über Übungen zur Förderung der Medialität vielfältige Anleitungen, wie wir uns auf diese Aufgabe einstimmen können.

 

Großen Raum nimmt die Darstellung der Tiere ein, die von intuitivem Verständnis und tiefer Liebe allen Tieren gegenüber zeugt und für Tierfreunde sicher ein Genuss ist. Grafisch anspruchsvoll umgesetzt, werden die auf den Karten abgebildeten Tiere in ihrer Eigenschaft als Krafttier beschrieben. Als Beispiel habe ich die Eule, Krafttier der Karte Nr. 12, ausgewählt: „Die Eule fliegt dann in Ihr Leben, wenn Sie allein den Überblick nicht mehr haben. Sie hilft, aus der Vogelperspektive gründlich darüber nachzudenken, wie es weitergeht. Die Eule fördert Ihre telepathischen Fähigkeiten und ist Ihre Lehrerin für Tierkommunikation. Sie möchte jedoch, dass Sie mit all diesem Wissen weise umgehen.“ Ergänzend wird im vorgeschalteten allgemeinen Teil über Krafttiere auch eine Meditation „Reise zum Krafttier“ angeboten.

 

Interessant fand ich, dass im Kapitel über Geistführer vier Karten benannt werden, die Frau Fiechter als Hinweis auf die Unterstützung durch die geistige Welt ansieht. Dies sind die Schlange (7), der Fuchs (14), der Bär (15) und der Hund (18). Ihrer Erfahrung nach gruppieren sich diese Karten bei entsprechender Fragestellung in typischer Weise im Großen Blatt um die Hauptperson oder um eine Themenkarte herum bzw. stehen in relevantem Bezug zu diesen. Beispiele für solche Kartenbilder finden sich im allgemeinen Kapitel zu den Geistführern.

 

Es schließen sich Besprechungen der einzelnen Karten an, wobei neben den Grundaussagen die Themen Medialität, Deutungsmöglichkeiten im Großen Blatt, Entsprechungen in der Astrologie und die Bedeutung als Krafttier aufgeführt sind. Bei den vier medialen Zusatzkarten werden die Kombinationen mit allen anderen Karten des Lenormanddecks beschrieben. Sehr hilfreich finde ich die Detailbilder, die wie unter  einer Lupe dargestellt sind und deren besondere Bedeutung kurz erklärt wird. An ihnen lässt sich gut erkennen, dass oft genau solche Details helfen, die Aussage einer Karte besser zu verstehen.

 

In gesonderten Kapiteln werden Techniken zum Großen Blatt erklärt wie zum Beispiel das Rösseln und Spiegeln, die Quintessenz und das Häusersystem. Auch hier faszinieren die grafischen Darstellungen in Bezug auf Farbbrillanz und Lesbarkeit. Den Zeitangaben im Lenormanddeck widmet die Buchautorin ein eingenes Kapitel und rechtfertigt überzeugend, warum diese nicht nur möglich, sondern auch nötig sind. Zum besseren Verständnis folgen auch hier einige Deutungsbeispiele.

 

Das Legesystem „Lemniskate“ zur Frage von vorherigen Inkarnationen wird ebenso vorgestellt wie „Regula's Doppelblatt©“. In diesem von der Autorin entwickelten Legesystem hat sie das Lenormanddeck mit den ebenfalls von ihr und Urban Trösch entwickelten Mystischen Kipperkarten kombiniert. Eine Herausforderung für ambitionierte Kartenfans, denn die Große Legung umfasst 70 Karten und bei Verwendung der medialen Zusatzkarten 74 Karten. In einer solchen Anordnung stehen wesentlich mehr Personenkarten zur Verfügung, was sich am zitierten Beispiel zu einer beruflichen Frage als sehr nützlich erweist. Hilfreich finde ich auch die Auflistung von Kipper- und Lenormandkarten mit gleicher oder ähnlicher Bedeutung. Frau Fiechter macht dabei immer wieder Mut, eigene Entdeckungen zu wagen, eigene Wege zu gehen und sich auf diese Art und Weise mit den Karten wie mit einem neuen Freund vertraut zu machen.

 

In meinen Augen stellt „Mediales Kartenlegen“ eine gelungene Erweiterung des Vorgängers „Mystisches Lenormand“ dar. Beide Bücher haben eigene Schwerpunkte, wobei es nicht notwendig ist, beim Lesen die Reihenfolge der Erscheinung einzuhalten. Vor allem geübte Kartenleger/innen können von diesem neuen Buch profitieren, denn es werden hier Aspekte angesprochen, die ich bis jetzt so in noch keinem anderen Buch zum Kartenlegen gefunden habe. Aber auch als Einstiegslektüre eignet sich das Buch sehr gut, weil es leicht verständlich geschrieben und flüssig zu lesen ist. Wer also mehr erwartet, als „Kochrezepte“ zu studieren und auswendig zu lernen, ist mit diesem Buch, das wirklich alle Sinne anspricht, bestens bedient!